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Copyright Directive

Characteristics

Aktueller Stand (14.05.21)

Der jetzige deutsche Regierungsentwurf wurde am 03.02.2021 veröffentlicht und befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Die 1. Lesung im Bundestag erfolgte am 26.03., zeitgleich wurde im Bundesrat mitberaten. Am 12.04. wurde der Entwurf im Rechtsausschuss des Bundestages erörtert. Die 2. Lesung wird noch im Mai erwartet und wird möglicherweise mit der 3. zusammengelegt. Sollten die Abgeordneten dafür stimmen, könnte noch im Mai die Urheberrechtsreform beschlossen werden. Regulär muss die EU-Urheberrechtsrichtlinie bis zum 07.06.2021 in nationales Recht umgesetzt sein, ansonsten drohen Strafen.

Währenddessen läuft die Nichtigkeitsklage Polens gegen Artikel 17 vor dem Europäischen Gerichtshof. Hierzu wird das Plädoyer (aka die möglicherweise schon richtungsweisende Stellungnahme) des EuGH-Generalanwaltes am 17.07. erwartet.

Actual Goal:

Schutz von Rechteinhabern vor illegaler Nutzung ihrer Werke und faire Vergütung

Dangers:

    • Fehleranfälligkeit technischer Filtermechanismen

    • Blockierung legaler Inhalte (z. B. Parodien)
 
    • Einschränkung von Informations- und Meinungsfreiheit
 
    • Missbrauch zu Zwecken der Zensur

26. Zu Artikel 3 (§§ 7, 8 UrhDaG)

 

a.) Der Bundesrat ist der Ansicht, dass Uploadfilter ein falsches Instrument sind, um Rechteinhaber, Kreative und Verwerter von urheberrechtlich geschützten Werken auch im Internet angemessen zu vergüten. Durch den Gesetzentwurf würde die Anwendung von Filtern aber unumgänglich, insbesondere wenn die Blockierung von Inhalten beim Upload erfolgen soll und kann. Eine solche faktische Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern, um von Nutzern hochgeladene Inhalte nach urheberrechtsverletzenden Inhalten zu filtern, wird vom Bundesrat für unverhältnismäßig angesehen.

 

b.) Es ist in vielen Fällen technisch nicht möglich, legale und illegale Inhalte im Internet automatisiert zu unterscheiden, auch weil dem Plattformbetreiber wesentliche Informationen zur Beurteilung der urheberrechtlichen Rechtslage fehlen. Somit kommt es zur Blockierung legaler Inhalte, sogenanntem Overblocking. Die Implementierung der Uploadfilter bei den Anbietern hat darüber hinaus den Aufbau einer später nur schwer kontrollierbaren Infrastruktur zur Folge, die sowohl von den Plattformanbietern für eigene Zwecke genutzt sowie auf weitere Inhalte ausgeweitet werden kann.

Videos zum Thema



The long history of the copyright reform

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In 2001, a reform of the European copyright law was decided for the last time. The EU had failed to deal with the new digital realities. Platforms offered their users the opportunity to express themselves creatively and to exchange information with each other. An Internet culture of free sharing and the diverse interaction with content of all kinds was created. The film and music industry felt compelled to demand a legal framework for the protection of their works due to the free and sometimes illegal content available on the Internet. Furthermore, newspaper publishers saw themselves in an unstoppable downward trend. This problem gave rise to the controversial Articles 11 and 13.

It was only in February 2018 that the German coalition agreement between the governing parties CDU/CSU and SPD stipulated that so-called "upload filters" were not appropriate and should be rejected. [1]These would not only be able to delete unwanted content retroactively, but would also be able to prevent the upload of such content independently. Platforms like Facebook, Twitter and YouTube would have to censor a lot of content! However, EU policy simply ignored this rejection at federal level. The reform, which has been aimed at since 2016, continues to be equipped with the demand for filters and has been initiated on the European level by the German CDU member of parliament Axel Voss of all people, together with the controversial "ancillary copyright law".

The reform text came from the EU Legal Affairs Committee with a narrow majority and was rejected in the first draft in the Parliament. Improvements were demanded and many modifications, including good alternatives to filters, were put on the table. In the second vote, the parliament decided in favor of a reform in general, although the directive was given the harshest versions. It should be noted that many parliamentarians supported the reform on the basis of Articles 14-16, which are intended to strengthen the rights of journalists, including those towards publishers and users.

After long trilogue negotiations, on the 4th of February 2019, France and Germany reached a compromise on the question of who should be forced to use upload filters. [2]However, this compromise can hardly be described as such, as it is based almost exclusively on the French requirements and provides for wide-ranging filtering requirements for platforms.

In concrete terms, the "compromise" stipulates that profit-oriented platforms must fulfill the following conditions in order to be exempt from a general filtering obligation:

   1. The platform must be younger than 3 years and have an annual sales volume of less than 10 million euros.

   2. The platform must have less than 5 million users per month.

If even one of these two conditions is not met, a platform would be forced to implement upload filters. In particular, the first criteria would mean that, within a maximum of three years, all existing platforms available in the EU would be subject to the filtering obligation, regardless of their size or whether or not they are addressed to the public.

Alle Plattformen müssen, ob sie die Kriterien erfüllen oder nicht, beweisen, dass sie „größte Bemühungen“ unternommen haben, um von allen Rechteinhabern Lizenzen einzuholen, deren Inhalte ihre Nutzer womöglich hochladen könnten. Kurz: Plattformbetreiber müssten zu jedem jemals kreierten urheberrechtlich geschützten Inhalt eine Lizenz zu dem genannten Preis erwerben. Die einzige Alternative dazu wäre eine umfangreiche Selbstzensur mit Uploadfiltern, die wiederum kostspielig, technisch fehlerhaft und ein Angriff auf die Informations- und Meinungsfreiheit wäre.

After the Council on 15 April 2019 approved the reform adopted by the Parliament with the disputed articles, it is up to the member states to rewrite it into national laws within the next two years.

Vorarbeit für nationale Umsetzungen gab es in Brüssel durch den sog. „Stakeholder-Dialog“. Hierzu wurden verschiedene Interessensgruppen eingeladen wie zum Beispiel Verwerter, Plattformen und Bürgerrechtler, um ein Richtlinienpapier für die EU-Länder zu erstellen. Auch SaveTheInternet war beteiligt. Gemeinsam wurden nutzerfreundliche Ideen wie die des „pre-flaggings“ erarbeitet. Hierbei dürfte der hochladende Nutzer Uploads, die Werke Dritter enthalten, selbstständig als legitim kennzeichnen – und Uploadfilter dürften nicht automatisch darauf zugreifen.
Im ersten Kommissionsvorschlag spiegelten sich diese Ideen noch wider. Im späteren nationalen Entwurf des deutschen Bundesjustizministeriums war ein generelles „Pre-flagging“ aber nicht mehr vorgesehen. Stattdessen soll ein Uploadfilter den Upload in Echtzeit während des Hochladens prüfen und erst bei Erkennung von Werken Dritter darf der Nutzer dazu Stellung nehmen bzw. den Upload als erlaubt kennzeichnen. Ähnlich soll mit bereits Hochgeladenem verfahren werden (48h Reaktionsfrist für den Nutzer bei Anschlagen eines Uploadfilters).
 
Der nun vorliegende, noch schärfere Regierungsentwurf zu Artikel 17 („Urheberrechts-Diensteanbieter-Gesetz“) geht diesen Weg weiter und spart konsequent das Wort „Uploadfilter“ aus. Stattdessen ist formuliert, dass urheberrechtlich geschütztes Material blockiert wird, es sei denn, es werden bei Verwertungsgesellschaften Lizenzen dafür gekauft. Hier haben die Plattformen „bestmögliche Anstrengungen zu unternehmen“. Hat die Plattform dann eine Lizenz für ein Werk gekauft, dürfen Nutzer das Werk verwenden, solange sie dies nicht-kommerziell tun. Ausgenommen vom Gesetz sollen kleine Plattformen sein.
 
Ausnahmen von Blockierungen soll es für Zitat, Karikatur, Parodie und Pastiche geben. Aber nur, wenn die Plattform dafür eine Vergütung zahlt.
Und dann auch nur, wenn „der Umfang der Nutzung einen besonderen Zweck rechtfertigt“. Die Formulierung stammt aus dem wissenschaftlichen Zitatrecht und ist besonders für künstlerische Ausdrucksformen schwierig. Welcher besondere Zweck das im Fall von Memes, Fanarts und Fanfictions sein soll, konnte das Bundesjustizministerium nicht beantworten und verwies darauf, dass die Gerichte das in Zukunft entscheiden müssen.
 
Hinzu kommen weitere Ausnahmen für sog. „mutmaßlich erlaubte Nutzungen“. Folgende Regeln gibt es hierfür:
– Weniger als die Hälfte des Beitrags dürfen Werke von Dritten sein
– Und die Werke Dritter dürfen nur „geringfügig“ genutzt werden, im Klartext:
    •  Bis zu 15 Sekunden Video oder Ton
    •  Bis zu 160 Zeichen Text
    •  Bis zu 125 Kilobyte Bild
– Die Nutzung darf nur nicht-kommerziell sein
 

Paul Keller, President and founding member of COMMUNIA Association, which promotes the free use of and access to knowledge and cultural assets, recently formulated concrete ideas and thoughts on how to make Article 17 fairer and more humane.

He pleads for the possibility that users can mark every upload as legitimate even after it has been uploaded. These should then no longer be able to be automatically deleted by filters.

He shares the considerations about a "probably illegal" standard and says at the same time that the threshold for this must be as high as possible, because even such a filter can still block potentially legal issues. In addition, the criteria of this threshold must be transparent and users must be able to challenge it in court.

Anything that does not reach this threshold must be protected from being blocked and must not be removed during the check.

The database for works that are in the public domain or open source should be publicly available. So everybody can consult it and the platforms can use the same reference.

Ultimately, the use of filters should not be required nationally for all platforms, as it would be unreasonable for smaller platforms.

Link zum Referentenentwurf des BMJV: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Dokumente/RefE_Urheberrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=7